DER SCHÄFFLERHOF

Ivano Gianola – Architektur als Ausdruck des Lebens

Verantwortlich für den Entwurf des neuen Schäfflerblocks ist der Architekt Ivano Gianola. 1944 im Tessin geboren, lehrte er Architektur an zahlreichen Universitäten in der Schweiz, Frankreich und den USA. Seit vielen Jahren engagiert er sich außerdem aktiv für die Denkmalpflege im Tessin.

Wer das hört, könnte glauben, dass sich der Architekt vor allem historischer Authentizität verpflichtet fühlt. Eine Vermutung, die Ivano Gianola mit seinem Entwurf für den Schäfflerblock überzeugend widerlegt: Es geht nicht darum, Vergangenheit zu rekonstruieren, sondern Zukunft zu planen. Aber diese Zukunft kann nicht am Reißbrett konstruiert und als entwurzelter Fremdkörper in einen Ort hineingepflanzt werden. Sie muss sich aus der Umgebung entwickeln.

Diese Bedeutung der historischen, räumlichen und kulturellen Topografie für Architektur macht das Programm der Tessiner Schule” aus, zu der Ivano Gianola gehört.

Und genau diese Haltung ist auch in seinen Plänen für den Schäfflerblock sichtbar und spürbar. Wie bei einem Freund, den man lange nicht gesehen hat, verbindet der Bau bekannte Züge mit überraschend neuen Elementen. So gelingt es, die Brücke zwischen dem “Woher” und dem “Wohin” zu schlagen.

Nicht als statische Referenz an die Vergangenheit, sondern als pulsierender Ausdruck jener spannenden Entwicklung, die das Leben ausmacht.

Die Geschichte des Schäfflertanzes

“Zu Zeiten der Pest wagte sich niemand mehr auf die Straße. Da fassten sich die Schäffler ein Herz, zogen vor die Häuser und führten Freudentänze auf, um den Menschen Mut zu machen”, berichtete 1795 das Münchner Intelligenzblatt.

Seit damals ist überliefert, dass so der Schäfflertanz entstanden ist. Der Tanz der Münchner Fassbinder gilt als Triumph des Lebens nach dem schlimmen Pestjahr 1517. Demnach geht einer der ältesten Münchner Bräuche zurück auf Heldentum und Mut. Die Frage bleibt offen – tanzten die Schäffler, nur um die Pest zu besiegen, oder einfach auch aus Lust am Tanzen?

In jedem Fall aber ist München seitdem um eine Geschichte reicher. Der Tanz der Fassbinder ist alle 7 Jahre eine Attraktion im Münchner Fasching und inzwischen weltberühmt. Und damit auch der Name “Schäffler.”